Es war moi a griabigs Dorf irgendwo in de Alpen, des moi wieda am End vom Jahr da Weihnachtszeit entgeng gseng hod: fast an jeda Eckn ham si de dunklen, mit Stoa pflasterten Gassn in hell-leichtende Straßn vawandelt, in dene vui gloane Hüttn siaße Lebkuacha und Weihnachtsblatzal obotn ham. Vor da Kirch im Zentrum is a riesiga, bunt gschmückta Tannabaam gstandn, der scho am Ofang vom Gschäftsgassal zum seng war: Bsonders auffällig war de große Spitzn mit a Figur vom heiligen Florian, am Schutzpatron vo da Feierwehr.
Lucius, a gloana 10-jähriga Bua is grod mit seine Äidan üban Christkindlmarkt gschlendert: Überoi hods siaße Blatzerl und warmen Punsch gem und er hod de Zeit mit Karusellfahrn und Schlittschuahlaffa vabrocht. Lucius hod mit seine Äidan in am großn, ehemaligen Adelshaus direkt im Dorfzentrum gwohnt: Vo seim Kindazimma aus hod er sogar den großn Christbaam mit da goldenen Spitzn seng kenna! De Weihnachtszeit war in seina Familie imma geprägt vo üppigm Essn, vui Gschenka und Treffen mit seine entfernten Vawandten, wos wiederum no mehra Essn und no mehra Gschenk ghoaßn hod.
A anderer Bua aus’m Dorf war Arthur, welcha mit seim arma Großvoda in am morschen, oidn Hoizhaus am Ofang vo da bunt-gschmücktn Straß gwohnt hod. Arthurs Äidan warn vor a paar Jahr bei am Verkehrsunfoi verunglückt, wesweng er eben bei seim Opa glebt hod, welcha aba in de letzn Jahr imma kränka woan war. A Arthur hod d’Weihnachtszeit gliebt, er hod so vui scheene Erinnerungen an de ruhign, gmiatlichen Dog ghabt, ois seine Äidan no glebt ham. Damois hod Arthur imma rot-weiße Weihnachtsdekorationen aus Papier mit seina Muatta bastlt, de wos an de Fensterscheim vo da festlich geschmücktn Wohnung aufghängt ghabt ham. Des Jahr is as oide Hoizhaus des oanzige im Dorf bliem, an dem koane weihnachtlichen Basteleien obrocht woan san, bloß a Adventskranz is auf’m staabign Küchndisch gleng, den wos Arthur sei Opa jeds Jahr vo am oidn Freind gschenkt griagt hod. Efters am friarn Omd is Arthur no alloa auf’n Christkindlmarkt ganga, oafach nur um zum schaun, de vuin buntn Farbn zu genießn und de siaßn Weihnachtsdüft eizumschnaufa.
Am Omd, ois grod as zwoate Liacht auf’m Adventskranz im gloana Hoizhaus brennt hod, hod Lucius sei Muatta erm gfrogt, wos er si denn des Jahr zu Weihnachtn wünscht. Da Lucius hod aba bloß griasgrämig geantwortet: „Ach woaßt Mama, i vasteh gar ned, warum ma si z’Weihnachtn übahaupts wos schenkt. Statt am Gschenk kannt’s ihr mir oafach so a Buiva gem, dann konn i mir selm wos kaffa. I hob eh scho gnua Gäid, dass i mir ois kaffa konn, wos i mog. Papa und du, ihr machts ja sogar an Betrog miteinanda aus, fia den ihr eich dann gegenseitig a Gschenk kaffts. Warum kaffts ihr eich des Gschenk dann ned glei selba? Des spart Zeit und jeda woaß selba besser, wos er mog“.
Lucius sei Muatta hod ned wiarglich a Antwort auf des Gsogt gwusst, is aba dadurch irgendwia a wenig zintig woan und hod gsogt: „Wenn des so is, dann schengan mia dir des Jahr gar nix, immerhin host ja scho gnua“. A da Lucius is jetzt grantig woan, is in sei Zimma glaffa, hod den Spuizeigfeierwehrmo gnomma, den er si letzts Jahr vo da Mama gwünscht hod und hod’n aus’m offna Fensta aussegschmissn, durch des jetzt d’koide Dezembaluft mit am Hauch vo Pfeffernussn pfiffa hod. „I brauch eire Gschenka ned, der blede Feierwehrmo is sowieso scho lang nimma im Trend!“ hod da Lucius bleart und de Zimmadia hinta si zuagschlong.
Am selbn Omd hod si da Arthur dafia entschiedn, moi wieda auf’n hellen Christkindlmarkt zum geh, nochdem er de zwoa brennenden Kerzn auf’m Adventskranz leichtn gseng hod, welche as dustere Küchnzimma zumindest a bissl aufgheitert ham. Oiso is er loszong und hod de rauschende Kulissn beobacht: überoi san lachande Menschen gstandn, de Punschkessel ham Nebelschwadn in im Kerzenliacht schimmernden Himme dampft und Arthur hod d’griabige Stimmung oafach nur gnossn. Ob er aa des Jahr wieda Gschenka griang soiat? Letztes Jahr hod er vo a Vakauferin an großn, braunen Lebkuacha gschenkt griagt, den er no 4 Wochan aufghoitn hod, bevor er’n genussvoi vaschlunga hod. Arthur is de komplette Straß obeganga, da festlich gschmückte Christbaam is imma näher kemma, bis er letztendlich vorn am Kirchenturm okemma war. Do war a da beste Lebkuachavakauf vom ganzen Markt und so hod Arthur kurz de Aung zuagmacht, um oamoi diaf Luft zum hoin und den würzigen Gruch vo Weihnachtn voi zum gspian. Ois er d’Aung mit am herzlichen Grinsn wieda aufgmacht hod, is erm a gloans, stechend rots Drum aufgfoin, des nebam Lebkuachastand leblos am Bodn gleng is. Arthur hod de rote Figur skeptisch aufghom und ned schlecht gstaunt: Es war a Spuizeigfeierwehrmo, den woi ebba valorn hod! Arthur hod noch links und rechts gschaut, um si zum vergewissern, ob ned irgendebba de Figur vamisst hod, aba er war as oanzige Kind weit und breit, des um de Zeit no auf’m Christkindlmarkt untawegs war, oiso hod er den gloana Feierwehrmo strahlend in sei Daschn gschom und is zruck Richtung dahoam gschlendert.
„Wia woi so a Lebn ois Feierwehrmo warad? Bestimmt dat ma vui Leid helfa und warad sehr beliebt, außerdem losst si’s sicha guad lebn ois Feierwehrmo“, so hod si da Arthur staad bei si docht und hod imma moi wieda de gloane Feierwehrfigur aus seina Daschn zong, um si dro zu erinnern, wos fia a scheens Spuizeig er jetzad ghabt hod. Auf’m hoibn Weg hoamzua is er an am gloanan Punschstand vorbeikemma, auf dem as Wappen vom heiligen Florian prangert hod: D’Feierwehr war oiso a do! Sofort is da Arthur freidig zu de Punschvakäufer ganga, um erna sei neis Spuizeig zum zoang.
„Hawedere ehrenwerte Feierwehrleid, konn i a bissl mehra vo eich wissen? So gern warad i doch spada moi a echta Feierwehrmo!“, hod da Arthur euphorisch gsogt und mit seim Feierwehrmanschgerl hi und hergwedlt. „Na, des san doch moi guade Neiigkeiten, mia Feierwehrler brauchan so muatign Nochwuchs wia di“, hod oana der Männa in dem gloana Hoizstodl glacht, „und wos fia a scheens Spuizeig du do host, damit bist ja scho bestens ausgrüst! Gern vazäih i dir a wenig vo unserm Feierwehrmo-Lebn!“.
Und so is da Arthur no bis spad in d’Nocht mit leichtende Aung in da klirrenden Kältn am gloana Hoizstand stehbliem und hod de Gschichtn vom Feierwehrmo zuagheart. Ois er hoamganga is, do hod er davo draamt, aa irgendwann amoi a echta Feierwehrmo zum sei und a normals, zfriednes Lebn führn zum kenna. Dahoam okemma hod er de gloane Feierwehrfigur auf de Oblage neba seim knarzign Bett glegt und vor si hidraamt: Des Jahr hod er sei scheenstes Gschenk scho vor Weihnachtn griagt.
A paar Dog spada war’s nachad soweit: es war endlich da Dog vom Heiligomd und Arthur is vo seim Opa scho sehr friah aufgweckt woan: „Auf gäds Arthur, heidi is Weihnachten, loss uns auf’n Markt geh!“. Scho de letzten Jahr warn sei Großvoda und er imma friah aufgstandn, um den Dog voi auszumkosten: olle Menschen ham so a fröhliche Ausstrahlung an dem Dog und um d’Wette glächlt, und Arthur sei Opa hod imma sehr vui Gschenka vo de ganzen Leid griagt, de er im Dorf kennt hod: so hod si da Arthur an a fein duftends Brot mit am würzigen Kas im letzn Jahr erinnert, welchas de zwoa noch da Weihnachtsmess feierlich zamgessn ham. Des Jahr hod erna da Dorfwirt a dampfende Weihnachtssuppn in am Kochtopf gem und gsogt: „A gesegnetes Weihnachtsfest und a frohs neis Jahr“. Ois de zwoa am Hoizstadl vo da Feierwehr vorbeiganga san, hod oana vo de Feierwehrla am Arthur a gloane Dofe Schoklad zuagschom, grinst und gmoant: „i wünsch da a frohs Fest, gloana Feierwehrmo!“.
Noch a gwissn Zeit auf’m Christkindlmarkt, in der vui gred, gessn, drunga und de Weihnachtsstimmung gnossn woan is, san Arthur und sei Opa zur abendlichen Weihnachtsmess in da großen Dorfkirchn ganga. Da Pfarra hod davo predigt, dass da wahre Geist vo Weihnachten ned nur aus Schenga, sondern da Gemeinschaft und’m Wäidfriedn besteht, anschließend ham olle no zam Weihnachtsliadl gsunga und san abschließend unta Kerzenschein singend aus da Kirch auszong. Aufgmuntert vo olle dene scheenan Eindrücke is da Arthur danoch mit seim Opa de vawachte, mittlerweile laare Dorfgassn entlangganga, vorbei an de vorher no so lebhaften Weihnachtsstandl, bis de zwoa schließlich in ernana oidn, knarzign Hoizhüttn okemma warn. Do hod da Opa no de würzige Weihnachtssuppn vom Dorfwirt erhitzt, nomoi olle vier Kerzen vom Adventskranz okent und Arthur a Weihnachtsgschicht vorglesn. De zwoa ham no a wenig im dumpfen Kerzenschimma miteinand gspuit, bevor’s miad und glücklich ins Bett gfoin san. „Frohe Weihnachten Opa“, hod Arthur gflüstert, ois da Opa de Dia vom gloana Kindazimma hinta si zuagmacht hod.
Zur gleichen Zeit hod si a Lucius‘ Familie im prächtign Haus neba da großen Dorfkirch bestens auf’n Heiligomd eigstimmt: Da Disch war festlich deckt mit de herrlichsten Speisn und überoi im großen Wohnzimmaraum san sorgfältig vabacklt Gschenka umanandagleng. D’Familie hod si scho highockt und zum Mahlgebet eigfundn ghabt, ois de Kirchenglockn an Beginn vom Omd eigleit ham. Lucius hod a weng auf seim Della rumgstochert, aba ned wiarglich Hunga ghabt und is an Fensta ganga: unten vor da Kirch hod er Dutzende vo Menschn gseng, welche woi grod aus da Weihnachtsmess kemma warn. Sie ham olle glücklich ausgschaut, ham moi mit dem oana und dann mit dem andern gratscht, doch fia’n Lucius ham’s vo obn nur wia gloane Spuizeigfigurn ausgschaut. Und so weid weg de Leid gwen warn, so gern warad da Lucius in dem Moment selm unta erna gwen, hätt glacht und warad a ganz normala Bua an dem heiligen Omd gwen. „Kimmst du bitte wieda zruck an Disch?!“, hodn sei Voda mit strenga Stimm gmahnt und widerwillig is da Lucius nachad zruck an sein Blotz gschlendert. Wia zwunga is erm bloß de ganze Zeremonie vorkemma, de fia erm nur a Eihoitn sinnlosa, strenga Regeln bedeit hod. Irgendwia ham erm de lieblos aufgstapltn Gschenka ogwidert, weil er genau gwusst hod, in welcham Backerl welcha Spuizeig drin war. Auf oamoi is a Ruck durch Lucius ganga und ois is erm z’vui woan: er is vo seim Blotz aufgstandn, zahnad in sei Kindazimma grennt und hod hinta erm zuagsparrt. Sei Voda hod no probiert hinta erm herzulaffa und gruafa: „Wos is’n los Lucius? Kemma ned ganz normal unsa Weihnachtsfest feier wia jede andere Familie aa?“. Lucius hod sei Stirn gega de zuagsparrte Dia gloahnt und gantwortet: „Wia gern dat i aa so Weihnachtn feiern wia de Leid in dera Kirch! Aba bei uns gäd’s ned um as Zamsei, es gäd nur um Regeln und Schenga, i mächad heid gern alloa bleim!“
„Wia du mogst“, hod Lucius sei Voda trotzig gsogt, „dann konnst vielleicht a glei a weng drüba nochdenga, wia du uns olle an Omd vasaut host!“. Dann is er zruck ins Esszimma ganga und Lucius hod si in sei Bett glegt und no lang üban Sinn vo Weihnachtn nochdocht, bevor erm de stille Nocht langsam in Schlof glegt hod.
In dem Moment, in dem noch und noch aa de andern Liachta ausganga san, hod no oa Haus am Rand vom Dorf ganz hell gflackert: Da Adventskranz in Arthur seim Haus hod Feia gfanga und is auf’m hoizern Wohnzimmadisch entbrennt! „Feia, Feia!“, hod Arthur sei Opa jetzt ganz aufgregt mit schwacha Stimm gschrian und an Arthur aus seim diafn Schlof grissn. As Feia hod mittlaweile fast as ganze Wohnzimma daglangt ghabt und de zwoa san huastend und keuchend am Rand vo da Wand entlang nach draußen glaffa, um si vor de stechenda Flammen in Sicherheit zum bringa. Ois‘ mit vui Glück und am no gressern Schrecka draußn in da Kältn oglangt warn, ham’s scho gheart, wia a lauts Heulen de Gassn aufgschreckt hod: D’Feiawehr is kemma! Vui Männa und Fraun ham jetzt probiert de haushohan Flammen mit Wassa aus Eimern zum löschn, aber ois war vageblich: As gloane Hoizhaisl hod weida brennt und as dunkelbraune Hoiz in a diafschwarzs Irgendwos vawandelt, welchas jede Sekundn kurz davor war endgültig zamzumfoin.
„Des duad uns sehr leid, wos fia a schreckliche Weihnacht!“, hod da Feierwehrmo gsogt, den da Arthur am Christkindlmarkt kenna glernt ghabt hod. „Hauptsach, uns is nix bassiert“, hod Arthur sei Opa gantwortet und am Arthur üba sei brauns Haar gstreichelt.
Mittlerweile hod si as ganze Dorf vor dem niedabrenntn Haus vasammelt und a paar Leid ham Punsch und Lebkuacha an de rumstehenden Leid vateilt. Auf oamoi hod oana vo de Dorfbewohna ogfanga a Weihnachtsliadl ozumstimma, woraufhi erst amoi olle Dorfbewohna a bissl vadutzt gschaut ham, dann is aba oana noch’m andern in’s Weihnachtsliadl mit eigstimmt. De brennande Hitzn vom obbrennadn, oidn Haus hod olle mehr ois gnua gwärmt und ohne zu wissen warum, ham de Bürga as Zammakemma an dem friarn Moang vom ersten Weihnachtsfeierdog staad gfeiert.
Bloß Arthur und sei Großvoda warn sehr traurig und vaängstigt, weil’s ja in dem Moment no ned gwusst ham, wia’s jetzt weidageh soit und wo’s in Zukunft wohna kanntn. Des oanzige, des da Arthur aus’m oidn Haus retten hod kenna war da gloane Feierwehrmo, den er jetzad ois letzts Übableibsel fest in seine Händ ghoitn hod. In dem Moment is da Lucius kemma, der an traurigen Arthur bemerkt ghabt hod und nachad probiert hod, erm zu trösten, ois er sei Spuizeig wiedadakennt hod. „Hey, du host ja mein oidn Feierwehrmo, den i letzts moi aus’m Fensta gschmissn ghabt hob! Unten am Sockel miassad no mei Nama steh“, hod da Lucius mit am bedachtn Grinsn gsogt.
Arthur hod de Spuizeigfigur am Bodn gmustert und tatsächlich: in schwarza Schrift war ‘L U C I U S’ auf’m Sockel eigschriem. „Des duad ma Leid“, hod Arthur gschnieft und war brudal traurig, dass erm jetzt a no as letzte vabliebene weggnomma wern dat, „dein Nama auf da Figur hob i echt ned gseng, du konnstn aba wiedahom“. Arthur hod sein Kopf gsenkt und Lucius den Feierwehrmo entgenggstreckt, woraufhi der nur lachad an Kopf gschüttelt und gmoant hod: „Na na, i bin ja selm schuid, dass i erm weggschmissn hob. Außerdem is heid Weihnachtn und i find, dass aa du an dem Dog a bissl glücklich sei soitst! Mei Wunsch hod si nämlich scho erfüllt: i woit oafach nur a ganz normala Bua sei und mit olle andern Dorfbewohna a scheens Weihnachtn feiern!“
„Des….des is wiarglich sehr nett, mease dir!“, hod da Arthur üba beide Ohrn gstrahlt, hod er damit jetzt wenigstens an gloanan Trost in der schwaren Stund ghabt. „Nur woaß i ned, wia i des Weihnachtn genießn soi, i woaß ja ned amoi, wo i heid Omd schlaffa ko!“, hod er nochdenklich hinzuagfügt, woraufhi da Feierwehrmo vom Christkindlmarktstand aufghorcht ghabt hod und mit lauta Stimm verlautn hod lossn: „Wos fia a Zufoi, dass grod vorn nebam Feierwehrhaisl a Wohnung frei woan is! A reicha Bürger vom Dorf hod si a neis Anwesen baun lossn und de oide Wohnung da Dorfverwoitung übagebn, i glaab, mia ham damit scho an neien Mieta gfundn, oda?“ Jetzt ham olle Dorfbewohna gjubelt und in d’Händ glatscht, a paar ham „Hurra“ und „Frohe Weihnachtn“ bleart und da Feierwehrmo hod sei Rede fortgführt:
„Leida war des oide Haus nimma zum retten, aba damit neamands behauptn ko, dass unsa Feierwehr umsonst war, kennts ihr olle ab Mittog zu uns in’s Feierwehrhaus kemma, mia wern do a großes Weihnachtsessn fia olle Dorfbewohna veranstoitn! Denn oans hob i und i glaab mia olle heid glernt: An Weihnachtn gäd’s ned darum, si gegenseitig de gresstn Gschenk zum macha, sondern de Menschen und de Gemeinschaft zum schätzn, de oam wiarglich wichtig san! Dene Leid a echte Freid zum macha is mehra wert ois as neiste Spuizeig oda da deierste Juwelierring, es is mit Goid wahrlich nimma aufzuwieng! Losst’s uns des und olle kommenden Weihnachtn bewussta im Kreis vo dene Menschen vabringa, de uns wiarglich wos bedeitn!“
Noch dera Ansprache ham olle Dorfbewohna glatscht, si gegenseitig umarmt und da Arthur hod seng kenna, wia seim Opa a gloane Träne üba’s rechte Aug glaffa is. Fia olle soit der Dog woi as unvergesslichste Weihnachtn oller Zeitn bedeitn. Und so is kemma, dass des gloane Dorf in de Alpen de wahre Bedeitung vo Weihnachtn an dem oana koidn Moang kennaglernt und si vo do o imma an de wiarglich wichtigen Sachan erinnert hod, wenn’s auffegschaut hod zur großen Statue mit’m heiligen Florian, am Schutzpatron vo da Feierwehr.
Es war einmal ein gemütliches Dorf irgendwo in den Alpen, das sich am Ende des Jahres wieder der Weihnachtszeit entgegensah: Fast an jeder Ecke hatten sich die dunklen, mit Stein gepflasterten Gassen in hell erleuchtete Straßen verwandelt, in denen viele kleine Hütten süße Lebkuchen und Weihnachtsplätzchen anboten. Vor der Kirche im Zentrum stand ein riesiger, bunt geschmückter Tannenbaum, der schon am Anfang der Geschäftsgasse zu sehen war: Besonders auffällig war die große Spitze mit einer Figur des heiligen Florian, dem Schutzpatron der Feuerwehr.
Lucius, ein kleiner 10-jähriger Bub, war gerade mit seinen Eltern über den Christkindlmarkt geschlendert: Überall gab es süße Plätzchen und warmen Punsch, und er hatte die Zeit mit Karussellfahren und Schlittschuhlaufen verbracht. Lucius wohnte mit seinen Eltern in einem großen, ehemaligen Adelshaus direkt im Dorfzentrum: Von seinem Kinderzimmer aus konnte er sogar den großen Christbaum mit der goldenen Spitze sehen! Die Weihnachtszeit war in seiner Familie immer geprägt von üppigem Essen, vielen Geschenken und Treffen mit seinen entfernten Verwandten, was wiederum noch mehr Essen und noch mehr Geschenke bedeutete.
Ein anderer Bub aus dem Dorf war Arthur, welcher mit seinem armen Großvater in einem morschen, alten Holzhaus am Anfang der bunt geschmückten Straße wohnte. Arthurs Eltern waren vor ein paar Jahren bei einem Verkehrsunfall verunglückt, weswegen er eben bei seinem Opa lebte, welcher aber in den letzten Jahren immer kränker geworden war. Auch Arthur liebte die Weihnachtszeit, er hatte so viele schöne Erinnerungen an die ruhigen, gemütlichen Tage, als seine Eltern noch lebten. Damals hatte Arthur immer rot-weiße Weihnachtsdekorationen aus Papier mit seiner Mutter gebastelt, die an die Fensterscheiben der festlich geschmückten Wohnung gehängt wurden. Dieses Jahr war das alte Holzhaus das einzige im Dorf geblieben, an dem keine weihnachtlichen Basteleien angebracht waren, bloß ein Adventskranz lag auf dem staubigen Küchentisch, den Arthurs Opa jedes Jahr von einem alten Freund geschenkt bekam. Öfters am frühen Abend ging Arthur noch allein auf den Christkindlmarkt, einfach nur um zuzuschauen, die vielen bunten Farben zu genießen und die süßen Weihnachtsdüfte einzuatmen.
An dem Abend, als gerade das zweite Licht auf dem Adventskranz im kleinen Holzhaus brannte, fragte Lucius' Mutter ihn, was er sich denn dieses Jahr zu Weihnachten wünsche. Der Lucius antwortete aber nur missmutig: „Ach weißt du, Mama, ich verstehe gar nicht, warum man sich zu Weihnachten überhaupt was schenkt. Statt einem Geschenk könntet ihr mir einfach so einen Geldschein geben, dann kann ich mir selbst was kaufen. Ich habe eh schon genug Geld, dass ich mir alles kaufen kann, was ich mag. Papa und du, ihr macht ja sogar einen Deal miteinander aus, für den ihr euch dann gegenseitig ein Geschenk kauft. Warum kauft ihr euch das Geschenk dann nicht gleich selber? Das spart Zeit, und jeder weiß selbst besser, was er mag.“
Lucius' Mutter wusste nicht wirklich eine Antwort auf das Gesagte, wurde dadurch aber irgendwie ein wenig zornig und sagte: „Wenn das so ist, dann schenken wir dir dieses Jahr gar nichts, immerhin hast du ja schon genug.“ Da wurde der Lucius jetzt richtig grantig, lief in sein Zimmer, nahm den Spielzeugfeuerwehrmann, den er sich letztes Jahr von der Mama gewünscht hatte, und warf ihn aus dem offenen Fenster, durch das jetzt die kalte Dezemberluft mit einem Hauch von Pfeffernüssen pfiff. „Ich brauch eure Geschenke nicht, der blöde Feuerwehrmann ist sowieso schon lange nicht mehr im Trend!“, hatte der Lucius geplärrt und die Zimmertür hinter sich zugeschlagen.
Am selben Abend entschied sich der Arthur dafür, mal wieder auf den hellen Christkindlmarkt zu gehen, nachdem er die zwei brennenden Kerzen auf dem Adventskranz leuchten gesehen hatte, welche das düstere Küchenzimmer zumindest ein bisschen aufgeheitert hatten. Also zog er los und beobachtete die rauschenden Kulissen: überall standen lachende Menschen, die Punschkessel dampften Nebelschwaden in den im Kerzenlicht schimmernden Himmel, und Arthur genoss die gemütliche Stimmung einfach nur. Ob er auch dieses Jahr wieder Geschenke bekommen würde? Letztes Jahr hatte er von einer Verkäuferin einen großen, braunen Lebkuchen geschenkt bekommen, den er noch 4 Wochen aufgehoben hatte, bevor er ihn genussvoll verschlungen hatte. Arthur ging die komplette Straße entlang, der festlich geschmückte Christbaum kam immer näher, bis er letztendlich vorne beim Kirchturm ankam. Dort war auch der beste Lebkuchenverkauf vom ganzen Markt, und so machte Arthur kurz die Augen zu, um einmal tief Luft zu holen und den würzigen Geruch von Weihnachten voll zu spüren. Als er die Augen mit einem herzlichen Grinsen wieder aufmachte, fiel ihm ein kleines, stechend rotes Ding auf, das neben dem Lebkuchenstand leblos am Boden lag. Arthur hob die rote Figur skeptisch auf und staunte nicht schlecht: Es war ein Spielzeugfeuerwehrmann, den wohl jemand verloren hatte! Arthur schaute noch nach links und rechts, um sich zu vergewissern, ob nicht irgendjemand die Figur vermisste, aber er war das einzige Kind weit und breit, das um diese Zeit noch auf dem Christkindlmarkt unterwegs war, also steckte er den kleinen Feuerwehrmann strahlend in seine Tasche und schlenderte Richtung daheim.
„Wie wohl so ein Leben als Feuerwehrmann wäre? Bestimmt würde man vielen Leuten helfen und wäre sehr beliebt, außerdem lässt sich's sicher gut leben als Feuerwehrmann“, so dachte sich der Arthur still bei sich und zog immer wieder die kleine Feuerwehrfigur aus seiner Tasche, um sich daran zu erinnern, was für ein schönes Spielzeug er jetzt hatte. Auf dem halben Weg heim kam er an einem kleinen Punschstand vorbei, auf dem das Wappen des heiligen Florian prangte: Die Feuerwehr war also auch da! Sofort ging der Arthur freudig zu den Punschverkäufern, um ihnen sein neues Spielzeug zu zeigen.
„Habedere, ehrenwerte Feuerwehrleute, kann ich ein bisschen mehr von euch wissen? So gern wäre ich doch später mal ein echter Feuerwehrmann!“, sagte der Arthur euphorisch und wedelte mit seinem Feuerwehrmannsfigürchen hin und her. „Na, das sind doch mal gute Neuigkeiten, wir Feuerwehrler brauchen so mutigen Nachwuchs wie dich“, lachte einer der Männer in dem kleinen Holzstadel, „und was für ein schönes Spielzeug du da hast, damit bist du ja schon bestens ausgerüstet! Gern erzähle ich dir ein wenig von unserem Feuerwehrmann-Leben!“
Und so blieb der Arthur bis spät in die Nacht mit leuchtenden Augen in der klirrenden Kälte am kleinen Holzstand stehen und hörte den Geschichten vom Feuerwehrmann zu. Als er heimging, träumte er davon, auch irgendwann einmal ein echter Feuerwehrmann zu sein und ein normales, zufriedenes Leben führen zu können. Daheim angekommen legte er die kleine Feuerwehrfigur auf die Ablage neben seinem knarzigen Bett und träumte vor sich hin: Dieses Jahr hatte er sein schönstes Geschenk schon vor Weihnachten bekommen.
Ein paar Tage später war es dann soweit: Es war endlich der Tag vom Heiligabend, und Arthur wurde von seinem Opa sehr früh aufgeweckt: „Auf geht's, Arthur, heute ist Weihnachten, lass uns auf den Markt gehen!“ Schon in den letzten Jahren waren sein Großvater und er immer früh aufgestanden, um den Tag voll auszukosten: alle Menschen hatten so eine fröhliche Ausstrahlung an diesem Tag und lächelten um die Wette, und Arthurs Opa bekam immer sehr viele Geschenke von all den Leuten, die er im Dorf kannte: So erinnerte sich der Arthur an ein fein duftendes Brot mit einem würzigen Käse im letzten Jahr, welches die beiden nach der Weihnachtsmesse feierlich zusammen gegessen hatten. Dieses Jahr gab ihnen der Dorfwirt eine dampfende Weihnachtssuppe in einem Kochtopf und sagte: „Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein frohes neues Jahr.“ Als die beiden am Holzstadl der Feuerwehr vorbeigingen, steckte einer von den Feuerwehrlern dem Arthur eine kleine Tafel Schokolade zu, grinste und meinte: „Ich wünsch dir ein frohes Fest, kleiner Feuerwehrmann!“
Nach einer gewissen Zeit auf dem Christkindlmarkt, in der viel geredet, gegessen, getrunken und die Weihnachtsstimmung genossen wurde, gingen Arthur und sein Opa zur abendlichen Weihnachtsmesse in der großen Dorfkirche. Der Pfarrer predigte davon, dass der wahre Geist von Weihnachten nicht nur aus Schenken, sondern aus Gemeinschaft und Weltfrieden bestehe, anschließend sangen alle noch zusammen Weihnachtslieder und zogen abschließend unter Kerzenschein singend aus der Kirche aus. Aufgemuntert von all diesen schönen Eindrücken ging der Arthur danach mit seinem Opa die verwaisten, mittlerweile leeren Dorfgassen entlang, vorbei an den vorher noch so lebhaften Weihnachtsständen, bis die beiden schließlich in ihrer alten, knarzigen Holzhütte ankamen. Dort erhitzte der Opa noch die würzige Weihnachtssuppe vom Dorfwirt, entzündete noch einmal alle vier Kerzen vom Adventskranz und las Arthur eine Weihnachtsgeschichte vor. Die beiden spielten noch ein wenig im dämmrigen Kerzenschimmer miteinander, bevor sie müde und glücklich ins Bett fielen. „Frohe Weihnachten, Opa“, flüsterte Arthur, als der Opa die Tür vom kleinen Kinderzimmer hinter sich zumachte.
Zur gleichen Zeit stimmte sich Lucius' Familie im prächtigen Haus neben der großen Dorfkirche bestens auf den Heiligabend ein: Der Tisch war festlich gedeckt mit den herrlichsten Speisen, und überall im großen Wohnzimmer lagen sorgfältig verpackte Geschenke herum. Die Familie hatte sich schon hingesetzt und zum Tischgebet eingefunden, als die Kirchenglocken den Beginn des Abends einläuteten. Lucius stocherte ein wenig auf seinem Teller herum, hatte aber nicht wirklich Hunger, und ging ans Fenster: unten vor der Kirche sah er Dutzende von Menschen, die wohl gerade aus der Weihnachtsmesse gekommen waren. Sie sahen alle glücklich aus, unterhielten sich mal mit dem einen und dann mit dem anderen, doch für den Lucius sahen sie von oben nur wie kleine Spielzeugfiguren aus. Und so weit weg die Leute waren, so gerne wäre der Lucius in diesem Moment selbst unter ihnen gewesen, hätte gelacht und wäre ein ganz normaler Bub an diesem heiligen Abend gewesen. „Kommst du bitte wieder zurück an den Tisch?!“, mahnte ihn sein Vater mit strenger Stimme, und widerwillig schlenderte der Lucius danach zurück an seinen Platz. Wie gezwungen kam ihm bloß die ganze Zeremonie vor, die für ihn nur ein Einhalten sinnloser, strenger Regeln bedeutete. Irgendwie ekelten ihn die lieblos aufgestapelten Geschenke an, weil er genau wusste, in welchem Päckchen welches Spielzeug drin war. Auf einmal ging ein Ruck durch Lucius, und alles wurde ihm zu viel: Er stand von seinem Platz auf, rannte zähneknirschend in sein Kinderzimmer und sperrte hinter sich zu.
Sein Vater versuchte noch, hinter ihm herzulaufen und rief: „Was ist denn los, Lucius? Können wir nicht ganz normal unser Weihnachtsfest feiern wie jede andere Familie auch?“. Lucius lehnte seine Stirn gegen die zugesperrte Tür und antwortete: „Wie gerne würde ich auch so Weihnachten feiern wie die Leute in dieser Kirche! Aber bei uns geht es nicht ums Zusammensein, es geht nur um Regeln und Schenken, ich möchte heute gerne allein bleiben!“
„Wie du magst“, sagte Lucius' Vater trotzig, „dann kannst du dir vielleicht auch gleich noch ein wenig darüber Gedanken machen, wie du uns allen den Abend versaut hast!“ Dann ging er zurück ins Esszimmer, und Lucius legte sich in sein Bett und dachte noch lange über den Sinn von Weihnachten nach, bevor ihn die stille Nacht langsam in den Schlaf legte.
In dem Moment, in dem nach und nach auch die anderen Lichter ausgingen, flackerte noch ein Haus am Rand des Dorfes ganz hell: Der Adventskranz in Arthurs Haus hatte Feuer gefangen und war auf dem hölzernen Wohnzimmertisch entbrannt! „Feuer, Feuer!“, schrie Arthurs Opa jetzt ganz aufgeregt mit schwacher Stimme und riss Arthur aus seinem tiefen Schlaf. Das Feuer hatte mittlerweile fast das ganze Wohnzimmer erreicht, und die beiden liefen hustend und keuchend am Rand der Wand entlang nach draußen, um sich vor den stechenden Flammen in Sicherheit zu bringen. Als sie mit viel Glück und einem noch größeren Schrecken draußen in der Kälte angelangt waren, hörten sie schon, wie ein lautes Heulen die Gassen aufschreckte: Die Feuerwehr kam! Viele Männer und Frauen versuchten jetzt, die haushohen Flammen mit Wasser aus Eimern zu löschen, aber alles war vergeblich: Das kleine Holzhäuschen brannte weiter und verwandelte das dunkelbraune Holz in ein tiefschwarzes Irgendwas, welches jede Sekunde kurz davor war, endgültig zusammenzufallen.
„Das tut uns sehr leid, was für eine schreckliche Weihnacht!“, sagte der Feuerwehrmann, den der Arthur am Christkindlmarkt kennengelernt hatte. „Hauptsache, uns ist nichts passiert“, antwortete Arthurs Opa und streichelte dem Arthur über sein braunes Haar.
Mittlerweile hatte sich das ganze Dorf vor dem niedergebrannten Haus versammelt, und ein paar Leute verteilten Punsch und Lebkuchen an die umstehenden Leute. Auf einmal fing einer der Dorfbewohner an, ein Weihnachtslied anzustimmen, woraufhin erst einmal alle Dorfbewohner etwas verdutzt schauten, dann aber einer nach dem anderen ins Weihnachtslied mit einstimmte. Die brennende Hitze vom abbrennenden, alten Haus wärmte alle mehr als genug, und ohne zu wissen warum, feierten die Bürger das Zusammenkommen an diesem frühen Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags still.
Nur Arthur und sein Großvater waren sehr traurig und verängstigt, weil sie ja in diesem Moment noch nicht wussten, wie es jetzt weitergehen sollte. Das Einzige, was Arthur aus dem alten Haus hatte retten können, war der kleine Feuerwehrmann, den er jetzt als letztes Überbleibsel fest in seinen Händen hielt. In diesem Moment kam der Lucius, der den traurigen Arthur bemerkt hatte und daraufhin versuchte, ihn zu trösten, als er sein Spielzeug wiedererkannte. „Hey, du hast ja meinen alten Feuerwehrmann, den ich letztes Mal aus dem Fenster geschmissen hatte! Unten am Sockel müsste noch mein Name stehen“, sagte der Lucius mit einem bedächtigen Grinsen.
Arthur musterte die Spielzeugfigur am Boden, und tatsächlich: in schwarzer Schrift stand ‚L U C I U S‘ auf dem Sockel geschrieben. „Das tut mir leid“, schniefte Arthur und war brutal traurig, dass ihm jetzt auch noch das letzte Verbliebene weggenommen werden würde, „deinen Namen habe ich echt nicht gesehen, du kannst ihn aber wiederhaben.“ Arthur senkte seinen Kopf und streckte Lucius den Feuerwehrmann entgegen, woraufhin dieser nur lachend den Kopf schüttelte und meinte: „Na na, ich bin ja selbst schuld, dass ich ihn weggeschmissen habe. Außerdem ist heute Weihnachten, und ich finde, dass auch du an diesem Tag ein bisschen glücklich sein solltest! Mein Wunsch hat sich nämlich schon erfüllt: Ich wollte einfach nur ein ganz normaler Bub sein und mit all den anderen Dorfbewohnern ein schönes Weihnachten feiern!“
„Das... das ist wirklich sehr nett, danke dir!“, strahlte der Arthur über beide Ohren und hatte damit jetzt wenigstens einen kleinen Trost in der schweren Stunde. „Nur weiß ich nicht, wie ich das Weihnachten genießen soll, ich weiß ja nicht einmal, wo ich heute Abend schlafen kann!“, fügte er nachdenklich hinzu, woraufhin der Feuerwehrmann vom Christkindlmarktstand aufhorchte und mit lauter Stimme verlauten ließ: „Was für ein Zufall, dass gerade vorne neben dem Feuerwehrhaus eine Wohnung frei geworden ist! Ein reicher Bürger des Dorfes hat sich ein neues Anwesen bauen lassen und die alte Wohnung der Dorfverwaltung übergeben, ich glaube, wir haben damit schon einen neuen Mieter gefunden, oder?“ Jetzt jubelten alle Dorfbewohner und klatschten in die Hände, ein paar riefen „Hurra“ und „Frohe Weihnachten“, und der Feuerwehrmann führte seine Rede fort:
„Leider war das alte Haus nicht mehr zu retten, aber damit niemand behaupten kann, dass unsere Feuerwehr umsonst war, könnt ihr alle ab Mittag zu uns ins Feuerwehrhaus kommen, wir werden dort ein großes Weihnachtsessen für alle Dorfbewohner veranstalten! Denn eines habe ich, und ich glaube, wir alle heute gelernt: An Weihnachten geht es nicht darum, sich gegenseitig die größten Geschenke zu machen, sondern die Menschen und die Gemeinschaft zu schätzen, die einem wirklich wichtig sind! Diesen Leuten eine echte Freude zu machen ist mehr wert als das neueste Spielzeug oder der teuerste Juwelierring, es ist mit Geld wahrlich nicht aufzuwiegen! Lasst uns das und alle kommenden Weihnachten bewusster im Kreis von den Menschen verbringen, die uns wirklich etwas bedeuten!“
Nach dieser Ansprache klatschten alle Dorfbewohner, umarmten sich gegenseitig, und Arthur konnte sehen, wie seinem Opa eine kleine Träne über das rechte Auge lief. Für alle sollte dieser Tag wohl das unvergesslichste Weihnachten aller Zeiten bedeuten. Und so kam es, dass das kleine Dorf in den Alpen die wahre Bedeutung von Weihnachten an diesem einen kalten Morgen kennenlernte und sich von da an immer an die wirklich wichtigen Sachen erinnerte, wenn es zur großen Statue mit dem heiligen Florian, dem Schutzpatron der Feuerwehr, aufschaute.