Oiwei, wenn er in da friah midm Radl zum Bäcker fahrt, foit am Maxe de oide Dorflindn auf: obwois vor vui hundert Jahr vo am Blitz droffa woan is und innen hohl war, stets imma no majestätisch in da Mittn vom staadn Bauerndorf.
D’Oidn vazäihn oft Gschichtn, dass d’Lindn scho im Mittloita ois Treffpunkt fia d’Dorfbewohna hergnomma woan is und desweng magische Kräft hätt, aber des hod da Maxe ned wiarglich obkafft. A wenn da dicke Baamstamm mit de langa Äst irgendwie zum umanandasantln eilod hod er si ned vorstäin kenna, dass a so a oida Bam verhext sei kannt.
An oam hoaßn Sommadog war da Maxe mit seine Spezln beim Fuaßboi spuin aufm Boizblotz im Nachbarort, ois si auf oan Schlog d’Woikn zuazong ham. Sei Muatta hodn scho gwarnt ghabt, dass a schwars Gwitta aufziagt, desweng hoda ihra vasprocha, dass ers rechtzeitig backt, bevors zum wehdan ofangt. Sofort hod er sein Ledaboi backt, Servus zu de Spezln gsogt und is auf sein Drohtesl gstieng und hoamwärts gfahrn, ois scho de erstn dickn Rengdropfa vom Himme gflong san.
Scho noch a baar Meta ham si de dickn Rengdropfa zu weiß-graue Haglkerndl vawandelt, de jetzt wia Eisklumpn aufn Maxe gfoin san. Er war ungefähr bis zur Dorfmittn kemma, ois des Sauwehda z’eglhaft woan is: er hod si so schnäi wias gäd irgendwo unterstäin miassn und wartn, bis zumindest da Hagl aufgheart hod. Mittlerweile hods a no ogfanga zum Donnern und Blitzn und da Himme hod zum prasslndn Haglschaua kracht und gflackert. Da Maxe hod in a baar Meta Entfernung a Birkn gseing und hod si gegen d’Windrichtung neba den junga Baamstamm gstäit. Jetzt wara erleichert, weil da Untastand gscheid herghoitn hod. Ois er wieda a bissl bessa gseng hod hod er a baar Meta vo erm weg de oide Dorflindn erkennt ghabt, de so ausgschaut hod ois dats erm im Haglsturm wia unterm Zahna ogrinsn. Da Maxe hod zruckglacht, weil er a wenig Vertrautheit gspürt hod und gmoant hod, er warad jetzt in Sicherheit.
Auf oamoi hod er a leise Stimm gheart, de gflüstert hod: „Kimm umme do zur Lindn“. Da Maxe hod gmoant, dass er si vaheart hod und hods erstmoi ois Spinnarei obedo. Wahrscheinlich wars bloß da brudale Sturm gwen, der wos in dem Moment mit seim Vastand gspuit hod.
Aber noch a baar Minutn hod er nomoi de leise Stimm gheart: „Du bist ned in Sicherheit, kimm bessa umme zur Lindn, i sogs da doch!“. Da Maxe hod no a baar Sekundn zögert, dann hod er si zamgrissn und is rüberglaffa zur oidn Lindn. Do okemma hod er sies tatsächlich im hohln Baamstamm gmiatlich macha kenna: vui griabiga wars do und da Wind hod bloß no staad an da rauen Baamrindn vom oidn Dorfbaam ohnegwuislt.
Kaum hod si da Maxe a wenig erhoit ghabt hods auf oamoi an brudalen Schlog do und er hod si erschrocka umdraht: A Blitz hod in d’Birkn eigschlong, de wos er no kurz davor zum Schutz aufgsuacht ghabt hod. De hod auf oamoi wia Stroh brennt und war wie a Scheitl Hoiz in zwoa große Hälftn gspoitn. „Wos warad bloß bassiert, wenn i oiwei no do gstandn warad?“ hod si da Maxe jetzt gfrogt ghabt.
Mit dem Schock hod des Wehda a scho sein Höhepunkt erreicht ghabt und da Hagl hod si in leichtn Reng zruckvawandelt, ois scho d’Dorffeiawehr mit laudm Sirenengschrei eitroffa is und as Feia an da Birkn mit a dickn Schaumdeckn eighüllt ghabt hod.
„Maxe, do bist ja“, hod da Richard, Maxe sei Nachbar und Vorstand vo da Dorffeiawehr, gsogt, „die Muadda hod si scho große Sorgn gmacht, und woi zurecht wia ma siehgt. Hättst du de Birkn ois Unterschlupf gwählt hätts di sauwa dabreslt moan i“.
Da Maxe hod kurz übalegt, ob er vo seim Erlebnis erzähln soit und hod dann beichtet: „Richard, da war wos ganz Komischs: i war davor scho bei da Birkn gstandn, aber auf oaoi hod ma a Stimm gflüstert, dass i unbedingt zur oidn Lindn nübergeh soi.“
Da Richard hod kurz zur Baamkrone vo da Lindn auffegschaut, dann kurz nochdocht und gsogt: „Des is echt komisch Maxe. Vor ungefähr 300 Jahr hods amoi an Buam in deim Oita gem, der hod Baltasar Kasper ghoaßn. Der is damois vom Blitz daschlong woan, ois er si bei am ähnlichn Sauwehda unta de oide Lindn gstäit hod, seitdem is aa hohl. Du findst sei Grob no drüm aufm Friedhof! Schaugt so aus, ois ob da Baltasar zumindest desmoi mit seina Wahl richtig gleng war“.
Da Maxe is no a baar Minutn wia vastoanart vor da Lindn gstandn. Dann hod er staad gflüstert „Mease Baltasar“ und hod si vo da oidn Dorflindn verabschiedet, de wos erm ab dem Dog oiwei magisch bleim werd.
Immer, wenn er morgens mit dem Rad zum Bäcker fährt, fällt Max die alte Dorflinde auf: Obwohl sie vor vielen hundert Jahren von einem Blitz getroffen wurde und innen hohl war, steht sie immer noch majestätisch in der Mitte des stillen Bauerndorfes.
Die Alten erzählen oft Geschichten, dass die Linde schon im Mittelalter als Treffpunkt für die Dorfbewohner gedient hat und deswegen magische Kräfte hätte, aber das hat Max nicht wirklich geglaubt. Auch wenn der dicke Baumstamm mit den langen Ästen irgendwie zum Herumklettern einlud, konnte er sich nicht vorstellen, dass so ein alter Baum verhext sein könnte.
An einem heißen Sommertag war Max mit seinen Kumpels beim Fußballspielen auf dem Bolzplatz im Nachbarort, als sich auf einmal die Wolken zusammenzogen. Seine Mutter hatte ihn schon gewarnt, dass ein schweres Gewitter aufzieht, deswegen hatte er ihr versprochen, dass er rechtzeitig zurückkommt, bevor es zu regnen anfängt. Sofort packte er seinen Lederball ein, sagte den Kumpels Servus, stieg auf sein Fahrrad und fuhr heimwärts, als schon die ersten dicken Regentropfen vom Himmel fielen.
Schon nach ein paar Metern hatten sich die dicken Regentropfen in weiß-graue Hagelkörner verwandelt, die jetzt wie Eisklumpen auf Max fielen. Er war ungefähr bis zur Dorfmitte gekommen, als das Unwetter zu heftig wurde: Er musste sich so schnell wie möglich irgendwo unterstellen und warten, bis wenigstens der Hagel aufgehört hatte. Mittlerweile hatte es auch angefangen zu donnern und zu blitzen, und der Himmel krachte und flackerte zu einem prasselnden Hagelschauer.
Max sah in ein paar Metern Entfernung eine Birke und stellte sich gegen die Windrichtung neben den jungen Baumstamm. Jetzt war er erleichtert, weil der Unterstand gut hielt. Als er wieder etwas besser sehen konnte, erkannte er ein paar Meter von ihm entfernt die alte Dorflinde, die so aussah, als würde sie ihn im Hagelsturm wie mit den Zähnen angrinsen. Max lachte zurück, weil er eine gewisse Vertrautheit spürte und meinte, er wäre jetzt in Sicherheit.
Auf einmal hörte er eine leise Stimme, die flüsterte: „Komm herüber zur Linde.“ Max dachte, er hätte sich verhört, und tat es erst einmal als Spinnerei ab. Wahrscheinlich war es bloß der brutale Sturm gewesen, der in dem Moment mit seinem Verstand spielte.
Aber nach ein paar Minuten hörte er noch einmal die leise Stimme: „Du bist nicht in Sicherheit, komm besser herüber zur Linde, ich sag's dir doch!“ Max zögerte noch ein paar Sekunden, dann riss er sich zusammen und lief hinüber zur alten Linde. Dort angekommen konnte er es sich tatsächlich im hohlen Baumstamm gemütlich machen: Es war viel behaglicher dort, und der Wind heulte nur noch leise an der rauen Baumrinde des alten Dorfbaums.
Kaum hatte sich Max ein wenig erholt, gab es auf einmal einen brutalen Schlag, und er drehte sich erschrocken um: Ein Blitz war in die Birke eingeschlagen, die er nur kurz davor zum Schutz aufgesucht hatte. Sie brannte auf einmal wie Stroh und war wie ein Holzscheit in zwei große Hälften gespalten. „Was wäre bloß passiert, wenn ich immer noch dort gestanden wäre?“, fragte sich Max jetzt.
Mit dem Schock hatte das Unwetter auch schon seinen Höhepunkt erreicht, und der Hagel verwandelte sich zurück in leichten Regen, als schon die Dorffeuerwehr mit lautem Sirenengeschrei eintraf und das Feuer an der Birke mit einer dicken Schaumdecke einhüllte.
„Max, da bist du ja“, sagte Richard, Max' Nachbar und Vorstand der Dorffeuerwehr, „deine Mutter hat sich schon große Sorgen gemacht, und wohl zu Recht, wie man sieht. Hättest du die Birke als Unterschlupf gewählt, hätte es dich sauber dahingerafft, würde ich meinen.“
Max überlegte kurz, ob er von seinem Erlebnis erzählen sollte, und beichtete dann: „Richard, da war etwas ganz Komisches: Ich stand vorher schon bei der Birke, aber auf einmal flüsterte mir eine Stimme zu, dass ich unbedingt zur alten Linde hinübergehen soll.“
Richard schaute kurz zur Baumkrone der Linde hinauf, dachte kurz nach und sagte: „Das ist wirklich komisch, Max. Vor ungefähr 300 Jahren gab es einmal einen Buben in deinem Alter, der hieß Baltasar Kasper. Der wurde damals vom Blitz erschlagen, als er sich bei einem ähnlichen Unwetter unter die alte Linde gestellt hatte, seitdem ist sie auch hohl. Du findest sein Grab noch drüben auf dem Friedhof! Sieht so aus, als hätte Baltasar diesmal zumindest mit seiner Wahl richtig gelegen.“
Max stand noch ein paar Minuten wie versteinert vor der Linde. Dann flüsterte er leise „Danke, Baltasar“ und verabschiedete sich von der alten Dorflinde, die ihm ab diesem Tag für immer magisch bleiben wird.