Burschenboxn in Willing

A persönlicher Rückblick auf’s Burschenboxn in Willing – und warum der Omd lang in Erinnerung bleim werd.

„Alloa scho de Tatsach, dass si Zwoa einfach sinnlos auf de Goschn haun, find i scho bled an dem Sport.“ So oder so ähnlich lautn de Vorurteil, de wohl a jeda Boxsportbegeisterte regelmäßig zum hearn kriagt. Für vui besteht Boxen aus archaischem Draufhaun ohne Rücksicht aufn Menschn, der oam gegenübersteht.

Beim „Burschenboxn“, des am 16.06.2026 in Willing bei Bad Aibling stattgfundn hod, hod dieses Klischee in seiner reinsten Form inszeniert gwirkt – aber spuin ma nomoi a hoibs Jahr zrück.

Vom Kreisklassnfußballer zum Boxer

Es war a verschneiter Januarmontag, ois da Schorsch Hanslmayer vom Burschenverein Stoakircha bei Aßling zum erstn Moi in unser Boxtraining noch Stoanaring kemma is. Obwoi er si scho fürs Burschenboxen ogmeldt hod, hod da typische Kreisklassnfußballer koa bissl Boxerfahrung mitbrocht.

Schnell is eahm klor woan, dass Boxen vui mehr bedeit ois einfach nur „rumzumhoizn“. A jeder Schlog muass technisch sauber ausgführt wern, während gleichzeitig de andere Hand de Deckung hoit. Dazua kemman no koordinierte Beinarbeit, s’richtige Distanzgspia und de Fähigkeit, an Gegner unter Druck taktisch einzumschätzen. Bei fast jedem Frischling raacht noch da erstn Trainingseinheit da Kopf – und de Kraft langt oft koam mehr aus, de Ärm obn zum hoitn.

Wocha für Wocha san de ersten Fortschritt sichtbar woan. Gleichzeitig hod si aber a Sach entwickelt, mit dera i anfangs ned grechnet hob: Bei de regelmäßignn Sparringstreffnn am Wochenend hom si auf oamoi olle Vereinsmitglieder engagiert, um an Schorsch bestmöglich auf sein Kampf vorzumbereiten. Aus vermeintlichen Oanzelkämpfer is a echtes Team woan. A jeder is amoi in de Roin vom Trainingspartner, Betreua, Kampfrichta oder Co-Trainer gschlüpft. Obwoi Boxn ois Einzlsport guit, is a harmonische Kameradschaft entstandn, de uns Trainer mit Stoiz erfüllt hod.

Unterstützung der Boxsparte beim Training
De ganze Boxsparte hod zsammghoifn, damit da Schorsch bestens vorbereit is

Da große Dog

Nachad war da große Dog endlich do. Da Schorsch war sichtlich nervös. Im Aufwärmzelt ham zahlreiche mögliche Gegner gwart, vo dene a paar deitlich erfahrena gwirkt ham und eahm körperlich überlegn woarn. Vui Zeit zum Grübln is aber ned bliem. Scho a paar Minutn spada san de ersten Kämpfer mit aufwendig inszeniertn Einmärsch in’n Ring eine.

A Teilnehma is stilecht mit am römischn Streitwong ins Festzelt einegfahrn, den Janker leger wia an Umhang über de Schulter glegt. A anderer hod si in Ketten zur Ringmitten führn lossn. Da Schorsch alias „The Bull“ hod’s boidige Ochsnrennen am 16. August in Steinkirchen aufgriffn und si auf am Thron mit am mächtigen Ochsnschädl vo seine Vereinskamaraden in de Arena drong lossn, während „Cheerleada-Dirndl“ eahm ogfeiert ham.

Spektakulärer Einlauf beim Burschenboxen
Da Einlauf: jeda Kampfa hod si a eigns Spektakel einfoin lossn

As mit mehr ois 2.500 Besucha voi besetzte Festzelt hod vo Kampf zu Kampf a Stimmung entwicklt, de ihresgleichn gsuacht hod. Obwoi ausschließlich Boxanfänger in’n Ring steing ham derfn, war grod de Unberechenbarkeit vo de Kämpfe da Grund für de Begeisterung vom Publikum. Über sechs Stund hinweg ham si de Blicke vo fast olle Besucha aufs Gschehn im Ring gricht.

Stimmung im vollbesetzten Festzelt
Mehr ois 2.500 Besucha ham mitfiabert

Und is des ned genau des, wos’n Wettbewerbssport ausmacht? Statt si irgndwo sinnlos zum Dreschen, messen si zwoa junge Manna nach klare Regeln, unter Aufsicht und mit gegenseitigem Respekt. Nachad feiern olle Vereine friedlich und ausglossn mitanand.

Wia hoch da Adrenalinspiegel vo de Kämpfer gwen sei muass, losst si wohl kaum erahna. Scho mir ois Trainer san d’Nervn blank glegn. Umso grässa war de Erleichterung, ois si zoagt hot, dass de vuin Trainingseinheiten und Sparringskämpf ned umsunst gwen san.

Pausencoaching zwischen den Runden
In de Kampfpausn woar jede Sekundn Coaching Gold wert

S’Finale

Konzentration vor dem Finalkampf
Kurz vorm Finale: höchste Konzentration

Da Georg „The Bull“ hod kämpft wia a Löwe und hod sowoi s’Viertl- ois aa s’Hoibfinale gwunna. Erst im Finale hod er si noch Verlängerung und oana Punktentscheidung vo da Jury vom Kampfsport Kornhass aus Bruckmui dem späteren Turniersieger Lorenz Brunner vo da Landjugend Elbach gschlogn gem miassn.

Siegerehrung Plätze 1 bis 3
De Plätz 1 bis 3 bei da Siegerehrung
Foto nach dem Finale mit den Betreuern
Nachm Finale: gemeinsams Foto mit de Betreua

Trotz da Finalniederlog is für mi an dem Omd a vui wichtigere Erkenntnis übrigbliem. Ned Talent, Erfahrung oder Körpergwicht alloa entscheiden über Erfoig und Misserfoig. Es san Muat, Ehrgeiz und de Bereitschaft, aa in scheinbar aussichtslosen Situationen ois zum gebm. Genau des is de Ur-Definition vo am Kämpfer.

Ebenso beeindruckend war da Umgang vo de Teilnehma mitanand. Während’m ganzn Turnier war koa unsportlichs Verhoitn zum beobachten. Im Gegnteil: Respekt, Fairness und gegenseitige Wertschätzung hom den Omd mindestens genauso geprägt wia de Kämpf selm. Grod darüber soit ma efters berichten.

De bsondere Stimmung, de an dem Omd im Festzelt z’Willing zum spürn war, wern woi nur de voiständig nachvollziang kenna, de selm dabei warn.

Und i für mein Teil frei mi scho heid aufs nächste Burschenboxen – wenn wieder mit Leidenschaft, Muat und Respekt „auf de Goschn ghaun“ werd.

Koarb
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