Durch’s Eis

„Mi friart scho beim Zuaschaun!“, den Satz hob i in letzta Zeit efters zum herrn griagt, ois i mit Bodhosn im Sää gschwumma bin, während de andern Leid olle mit da Wintajackn danebn spaziern ganga san. Daweil is as sogenannte „Eisschwimma“ (oda genaua „Winterschwimma“) koa Superheldeneigenschaft sondern a Fähigkeit, de si grundsätzlich jeda oeignen konn und de si dann a wia as nadiarlichste der Wäid ofuiht.

Aba wia is soweit kemma, dass i überhaupt teilweise bei Minustemperaturen zum Schwimma geh?

In Russland gibt’s am 19.01 den Brauch der „Taufe“ (Крещение), an dem so guad wia jeda si in Bodhosn zu am Sää oda Fluss begibt, um si wia Jesus damois fia’s neie Jahr segnen zu lossn. Weil i des lustig gfundn hob, hob i des vor zwoa Jahr moi selm ausprobiert und war irgendwie begeistert: obwoi i’s nur a paar Sekunden ausghoitn hob, war i irgendwie total zfriedn. Trotzdem war mir da Aufwand fia a paar Sekundn plantschen dann aba doch zu groß, als dass i as Winterbodn weiterhin verfoigt hätt.

Oa Jahr spada bin i dann im Frühjahr auf da Suche noch am Hausmittel gwen, um mein leidigen Heischnupfa endlich in Griff zum Griang und bin auf’n „Ice Man“ Wim Hof gstoßn. Wim Hof is a Hollända, der scho mehrere Kälterekorde aufgstäit hod und a Methode entwickelt hod, mit deren Huif i ghofft hob eben a mei Allergie in Griff zum griang. De sogenannte „Wim-Hof-Methode“ besteht eigentlich nur aus zwoa Elemente: a Atemtechnik und Abhärtung in da Kältn.

De Atemtechnik huift am Körpa sei Atemkapazität zu erhöhn und auf Stress bessa reagiern zu kenna, wos mit da Kältetherapie insofern in Verbindung steht, als dass des koide Wassa fia an ungeübten Menschen an großn Stress bedeit, der aba durch Vorbereitung komplett verhindert wern konn.

De Abhärtung durch z.B. regelmäßige koide Duschn hod foigende physiologischen Hintergründ:

  • De gloanen Bluatäderchen in unserm Körpa bildn a gigantisches Netz, welches Bluat durch unsern Körpa bumpt und so olle Stellen mit Wärm versorgt. In extreme Situationen wern zerscht de überlebenswichtigen Funktionen versorgt, des san de Organe, während da Exkremente wia Fiaß und Finga dann leidn miassn. Diese gloanan Äderchen funktioniern aba wia a Muskel und kennan trainiert wern, dann braucht da Körpa weniga Energie, um an Körpa mit Wärme zu versorgn, d.h. ma erhöht sei Toleranz gegenüba Kältn.
  • Dadurch, dass da moderne Mensch imma mehra verweichlicht san diese Äderchen in der Regel extrem untrainiert. Ob in da Wohnung, im Auto oda im Zug: überoi herrscht nur de Wohlfuitemperatur. Prinzipiell san aba unsere Grundfunktionen no vorhanden, weswegen jeda seine Fähigkeiten wieda otrainiern konn.
  • Es gibt zwoa unterschiedliche Körpafette: weißes Fett und braunes Fett. Während as weiße Fett schlecht fia’n Körpa is, is as braune Fett dafia do uns warm zu hoitn und unsan Körpa abhängig von da Umgebung zu reguliern. Eskimos oda gloane Babys ham z.B. no vui braunes Fett, während da „zivilisierte Mensch“ imma mehra davo verliert. Durch häufige Kältereize konn de Umwandlung zu braunam Fett wieda ogregt wean, wos si ziemlich schnäi bemerkbar macht, z.B. indem ma’s imma länga mit weniga Friarn unta da koidn Dusche aushoit.
  • Ois letztes stärkt de Prozedur as Immunsystem, indem da Körpa sei Abwehrbereitschaft ständig testen konn.

Des ois hod mi übazeigt, dass i jeden Dog imma länga an Duschregla auf blau statt rot gschoitn hob, um festzustäin, dass mir des tatsächlich guad duad, a wenn’s mein Heischnupfa bis heid no gibt.

Trotzdem hob i de „Wim-Hof-Methode“ seitdem imma weida gübt und hob festgstäit, dass si einige Sachan fia mi verbessert ham:

  • Weniga Stress: i bin allgemein vui entspannta woan. Es scheint so, ois ob da Körpa de Auseinandasetzung mit da Kältn ois Ventil nutzen konn, um „Dampf“ obzulossn.
  • Euphorie: dadurch, dass da Körpa durch des koide Wassa in an „Überlebensmodus“ schoit, wird Dopamin freigsetzt, wos zu am guadn Gfui führt, ähnlich wia noch a Stund anstrengenden Sport.
  • Seltna und kürza krank: i bin zwar doch no oa, zwoa moi krank woan, ollerdings hob i mi imma vui schnäia wieda gfanga wia friara.
  • Vorzongner Somma: Dadurch, dass i im März scho zum erstn moi im Sää war, hod si da Somma fia mi gfuit noch vorn vaschom.
  • Schnäiana Regeneration: egal, ob i beim Berggeh im Winta am Gipfe gfrorn hob oda ob i meine Muskeln brutal beansprucht ghabt hob, de Regenerationszeit war imma erstaunlich.
  • Neie Schwimmplätze entdecka: Friara hätt i nia docht, dass i irgendwann moi im Königssää oda im no kältern Hintersää bodn kannt.

I konn oiso zusammenfassend nur empfehln, dass jeda oamoi im Lebn as Wintaschwimma ausprobiert und gib no a baar Tipps mid auf’n Weg:

  • Langsam ofanga: vielleicht erstmoi mit a baar Wechselduschn ofanga, bevor’s dann wiarglich zum hoib zuagfrorna Sää gäd.
  • Ruhig bleim: a Hecht schaut zwar vor ollem im Winta spektakulär aus, is aba fia Ungeübte ned zu empfehlen. Am besten atmet ma ganz ruhig ei und aus und gäd zügig ins Wassa.
  • Warms Gwand und a Handduach scho zrechtleng.
  • Auf’n Körpa hearn: aufhearn, wenn’s zum aufhearn is.

I hoff tatsächlich, dass mehra Leid as Wintaschwimma fia si entdecken, weil’s tatsächlich a bissl is wia as Lebn: Manchmoi hart, aba imma ehrlich. Und es san de großn Gefühle, de ois ausmachan: da gresste Erfoig is dann erst richtig vui wert, wenn ma a an gressten Verlust erlebt hod. Und so sei jedem des Glücksgfui vergunnt, der a moi a baar Minuten zittern konn.

Koarb
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