Da Woid ois Therapeut
Wos paradoxes hod de Corona-Krise fia mi scho ghabt: Während ganz Deitschland zum Hausarrest vadonnat woan is, hob i des Gfui, dass i seitdem no vui mehra vo da Wäid midkriag.
Ois de Nachricht kemma is, dass i de nachstn Wochan erstmoi beim Stubnhakln (=Homeoffice) zuawebringa derf, hob i mir fest vorgnomma, mein morgendlichn Arbaatsweg mit am gloanan Spaziergang in da friah zu kompensiern. Da mir des Umfäid schnäi z’langweilig woan is, bin i noch drei Dog aufs Radl umgstieng und war seitdem jeden Dog im Hoiz untawegs.
Noch oam Monat hob i festgstellt, dass mi des neie Ritual a bissl verändert hod: I acht wieda vui mehra auf de vuin gloanan, unscheinbaren Gräisch, de si in meiner unmittelbaren Umwäid obspuin. Bei de erstn Male no unauffällig, so ham si Kompositionen vo de verschiedenen Tiere immer mehra vastärkt: de Vegl de im Duett üba de Bamspitzn wegsingan, de Räh de durch de Buschn hupfan um si vor mir zu verstecka und de Dannazapfa, de i immer wieda a kurzes Raschln vo si gem, wenn i mit meim Radl drübafahr.
Und auf oamoi herr i a im „normaln Leben“ vui genaua hi: des Postauto, des kurz an Motor summa losst und si dann wieda entfernt, da Wind wia er ganz leise durch Garten huast und as leise Tickn vo da Küchnuhr. Warum hob i des friahrer ois ned so bewusst aufgnomma? Warum san agrad de unscheinbaren Gräisch so interessant und gleichzeitig entspannend? Jede kurze Pause is jetzt zu a kurzen Entspannungseinheit woan, in der da Geist angenehm stimuliert wird.
As gresste Kino bietet aber imma no da Woid selba: überoi konn auf oamoi a neis Geräusch oder a neier Eindruck ums Eck kemma! Warum schaun de Leid eigentlich imma no des anstrengende Fernsehprogramm, wenn so a Woidspaziergang vui entspannta und gleichzeitig trotzdem spannenda is?
Interessant is a, dass da beste Zeitpunkt fia an Spaziergang kurz vor Sonnenaufgang is, weil si genau dann scheinbar olle Tiere zu am ganz bsondern Konzert verobredn, ollen voro da Specht, der bsonders laut in die Bam neihaut. So übatrogt der Woid jedn Dog aufs Neie sei Lebendigkeit und Ausgeglichenheit auf mi und is mittlaweile fast nimma wegzudenga.
Oanzige Bedingung bleibt allerdings, dass i weiterhin da oanzige Zuschaua sei derf, so vui Ruah muass schließlich sei.
Der Wald als Therapeut
Etwas Paradoxes hatte die Corona-Krise für mich: Während ganz Deutschland zum Hausarrest verdonnert wurde, habe ich das Gefühl, dass ich seitdem noch viel mehr von der Welt mitbekomme.
Als die Nachricht kam, dass ich die nächsten Wochen erst einmal im Homeoffice verbringen darf, habe ich mir fest vorgenommen, meinen morgendlichen Arbeitsweg mit einem kleinen Spaziergang in der Früh zu kompensieren. Da mir das Umfeld schnell zu langweilig wurde, bin ich nach drei Tagen aufs Rad umgestiegen und war seitdem jeden Tag im Wald unterwegs.
Nach einem Monat habe ich festgestellt, dass mich dieses neue Ritual ein bisschen verändert hat: Ich achte wieder viel mehr auf die vielen kleinen, unscheinbaren Geräusche, die sich in meiner unmittelbaren Umwelt abspielen. Bei den ersten Malen noch unauffällig, haben sich die Kompositionen der verschiedenen Tiere immer mehr verstärkt: die Vögel, die im Duett über die Baumspitzen hinwegsingen, die Rehe, die durch die Büsche hüpfen und ein kurzes Rascheln von sich geben, wenn ich mit meinem Rad vorbeifahre.
Und auf einmal höre ich auch im „normalen Leben“ viel genauer hin: das Postauto, das kurz den Motor summen lässt und sich dann wieder entfernt, der Wind, wie er ganz leise durch den Garten haucht, und das leise Ticken der Küchenuhr. Warum habe ich das früher nie so bewusst wahrgenommen? Warum sind gerade die unscheinbaren Geräusche so interessant und gleichzeitig entspannend? Jede kurze Pause ist jetzt zu einer kurzen Entspannungseinheit geworden, in der der Geist angenehm stimuliert wird.
Das größte Kino bietet aber immer noch der Wald selbst: Überall kann auf einmal ein neues Geräusch oder ein neuer Eindruck um die Ecke kommen! Warum schauen die Leute eigentlich immer noch das anstrengende Fernsehprogramm, wenn so ein Waldspaziergang viel entspannter und gleichzeitig trotzdem spannender ist?
Interessant ist auch, dass der beste Zeitpunkt für einen Spaziergang kurz vor Sonnenaufgang ist, weil sich genau dann scheinbar alle Tiere zu einem ganz besonderen Konzert verabreden, allen voran der Specht, der besonders laut in die Bäume hineinhaut. So überträgt der Wald jeden Tag aufs Neue seine Lebendigkeit und Ausgeglichenheit auf mich und ist mittlerweile fast nicht mehr wegzudenken.
Einzige Bedingung bleibt allerdings, dass ich weiterhin der einzige Zuschauer sein darf, so viel Ruhe muss schließlich sein.